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Sehenswertes im Ruppiner Land

Rheinsberg

Druckvorschau der Liste aus Rheinsberg  Mit der Bahn nach Rheinsberg - Ein Service der Deutschen Bahn AG 

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Angezeigt werden 14 Einträge aus Rheinsberg

Badeanstalt 

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16831 Rheinsberg

Von warmen und kalten Bädern
Die Rheinsberger Badeanstalten

Das Baden in öffentlichen Gewässern galt im 18. Jahrhundert allgemein als ungesund, gefährlich und sogar unmoralisch. Für den alten Goethe war es eine dem Zeitgeist entstammende Verrücktheit. Erst durch das verstärkte Hinweisen der Ärzte auf den Wert des Badens für die Gesundheit fand im 19. Jahrhundert eine Verbreitung von Badeanstalten an Seen und Flüssen statt.
Ausflugsdampfer, im Hintergrund die Koppesche Badeanstalt
Die vermutlich erste Seebadeanstalt Rheinsbergs befand sich nördlich des Bollwerks und wurde vom Kämmerer Koppe gegründet. Sie enthielt -sieben verdeckte, unter sich getrennte Badezellen und ein gemeinschaftliches, offenes Schwimm-Bassin- (Traugott Pinkert). Schwimmern stand der -offene See- zur Verfügung. Hierzu muß bemerkt werden, daß die Zahl der Deutschen, die in der Schwimmtechnik kundig waren, zu dieser Zeit eher gering war. Noch 1930 stellte diese Bevölkerungsgruppe mit drei Prozent eine seltene Spezies dar. Deshalb waren Badezellen und Gemeinschaftsbassins in der Regel beliebter als das tiefe Gewässer.
Der Rheinsberger Bruno Paetsch hat in seinen Jugenderinnerungen auch die Badeanstalt beschrieben. Sie stand im Wasser und war für Damen und Herren getrennt. Am Südende befand sich eine große Zelle, in der sich 15 Personen umkleiden konnten. Die anderen Zellen nahmen jeweils bis zu vier Leute auf. Jede Zelle war verschließbar und hatte einen eigenen abgegrenzten, über eine Treppe erreichbaren Bassin. -Es konnte hier jeder ungeniert baden, ohne von den anderen Badenden gesehen zu werden. Man konnte von hier aus, ohne das Wasser zu verlassen, in den großen Schwimmbassin gelangen.- Um diesen herum befanden sich Laufstege, auf denen sich Sonnenhungrige braten ließen. Zum See hin sicherte ein Schwimmbalken den Bassin ab, und auch ein Sprungbrett war vorhanden. -Links und rechts des Schwimmbassins waren Bretterverkleidungen angebracht, damit die Badenden von außen nicht zu sehen waren.- Die Abschottung war erforderlich, da das Baden im Freien in der öffentlichen Meinung noch nicht zur vollen Anerkennung kam.
Auch adelige Besucher Rheinsbergs haben die Einrichtung genutzt, um ihre blaublütigen Körper zu erfrischen. -Am Eingange einer der Badezellen in der Koppeschen Badeanstalt-, schwärmte Pinkert, -findet man eine vergoldete Krone zum Andenken daran, daß hier der hochselige Kaiser Friedrich III. als Kronprinz badete-. (Was hätte Rheinsberg nur ohne die Hohenzollern angefangen?)

Die Medizin empfahl für eine therapeutische Wirkung des Badens möglichst fließendes und immer frisches Wasser. So entstanden an vielen Flüssen kleine Bäder, wo man sich in von Wasser durchströmte Kabinen begab und sich vom kühlen Naß massieren ließ. Am Ende der Mühlenstraße befand sich das -Heinrich Müllersche Wassermühlen-Etablissement-. Zwei Badezellen, eine für Männlein, eine für Weiblein, standen dort in den Fluten des Rhins. Allerdings blieb das Etablissement Leuten mit einem größeren Geldbeutel vorbehalten. Das galt wahrscheinlich auch für die Warmwasserbadeanstalt im Hotel -Ratskeller-.

Im allgemeinen war die Dichte der Warmbäder in Deutschland gering. 1887 rechnete der Berliner Dermatologe Oscar Lassar aus, daß eine solcher Anstalten auf 50.000 Menschen kam. Er bemängelte, daß sie meist zu klein, zu dürftig ausgestattet und zu teuer wären, und das die Lage auf dem Land besonders katastrophal sei. Lassar brachte die Losung -Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad- aus und gründete 1899 die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder, die sich für den Bau von Stadtbädern stark machte.
-Kur- und Warmbad, erbaut 1907- informiert uns die Anschrift des Gebäudes an der Schillerstraße. Eine Anzeige aus dieser Zeit weist auf die vielfältigen Möglichkeiten hin, die diese Stätte abendländischer Badekultur bot: -Dampf-, Wannen-, Brause-Bäder, Massage für Damen und Herren, alle Arten von medizinischen Bädern, Temperier-Gelegenheit für Mineral-Brunnen-. Außerdem hatte eine kleine Bibliothek im Vestibül Einzug gehalten. Die Lesehalle, deren Wände mit Werken von Adolph Menzel geschmückt waren, stand Inhabern von Kurtaxquittungen kostenlos zur Verfügung. Doch nicht nur die Kurgäste nutzten das Warmbad. Viele Einwohner Rheinsbergs ließen sich einmal wöchentlich in die Badewannen gleiten, denn wer hatte sowas schon in den eigenen Wänden? Als in späteren Jahren Karl Wittkopf Bademeister war, konnte man sich von ihm gleich noch die Haare schneiden lassen.
Rheinsbergs zweite Badeanstalt an der Reuterpromenade

1908 wurde seitens der Stadt an der heutigen Reuterpromenade, nördlich der Villa -Miralonda- ein Badestrand für Kinder angelegt. Bald entstand dort ein zweites, moderneres Seebad (nicht zu verwechseln mit demjenigen, das heute vor sich hin dümpelt). Die Koppesche Badeanstalt, die inzwischen der Reeder Rudolf Schneider gepachtet hatte, zeigte bereits Altersschwächen und wurde geschlossen. (Die letzten Fragmente verschwanden in den 30er Jahren.)
Die neue Anstalt zog sich etwa 50 bis 60 Meter am Ufer entlang. In der Mitte befand sich der Eingang, den man über eine kleine Brücke erreichte. Rechts waren die Umkleidekabinen der Frauen, links die der Männer. Auf einem Laufsteg gelangte man von den Kabinen ins Wasser, für Schwimmer stand ein Sprungturm mit zwei Brettern bereit. Wer sich keine eigene Umkleidekabine leisten wollte, nutzte für weniger Geld die Massenzelle, die ca. 20 Personen faßte. Der Bademeister und Pächter, ein Herr Wagner, hielt in seinem Kühlschrank stets Getränke bereit.
Das Planschvergnügen währte dort bis 1929, als am sogenannten -weißen Sand- das neue (jetzige) Seebad eröffnet wurde, das sein wesentliches Erscheinungsbild bis heute bewahrt hat. Es war in der Saison von Sonnenaufgang bis -untergang geöffnet; es gab eine Rutschbahn, eine Schwimmschule, und gegenüber den Vorgängern hatten die Leute wesentlich mehr Platz zum Tummeln.

Holger Pfeifer



Carmol 

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16831 Rheinsberg

Carmol tut wohl!
Ein Heilmittel aus Rheinsberg!
Carmol aus Rheinsberg in der Mark macht Nerven, Geist und Körper stark.
Plagt Dich Rheuma, Ischias, Gicht, vergiß Carmol aus Rheinsberg nicht!

Diese und andere Slogans ließen sich damals die Werbetexter einfallen, als es um die Vermarktung eines der bekanntesten Rheinsberger Industrieprodukte ging. Ein Universalmittel, das sogar in Arzneischränken außerhalb Deutschlands zu finden war.
Alles begann um die Jahrhundertwende, als Rudolf Poscich in den Räumen hinter der Drogerie in der Berliner Straße herumexperimentierte. Eines Tages - Heureka! - hatte er die Mixtur gefunden, mit der man die verschiedensten Schmerzen lindern konnte: CARMOL (von Karmelitergeist). 1902 rollte in der Schloßstraße die Produktion an. Allerdings mutete die erste "Fabrik" eher unscheinbar an, denn es handelte sich um einen kleinen Schuppen mit einem dementsprechenden Ausstoß an Flaschen. Jeden Abend belud man den Firmenhandwagen und rumpelte damit zum Bahnhof. Carmol zog aus in die Ferne und freundete sich mit vielen verstimmten Mägen und schmerzenden Gliedmaßen an. Das Unternehmen konnte expandieren, indem es 1904 ein Massivgebäude errichtete und die Zahl der Beschäftigten erhöhte. Weitere Anbauten folgten, und 1907 stand an der Straße das erste Hauptgebäude.
Einer der Mitarbeiter, ein Herr Leichsenring, war u.a. für Reklame zuständig. Er sorgte für die Verbreitung des bekannten Slogans "Carmol tut wohl!", der auch so manche Werbefläche in Rheinsberg zierte (z.B. die Giebelwand des Hauses Nr. 15 in der Schloßstraße).
Die Jahre verliefen erfolgreich, doch 1912 zogen dunkle Wolken über der Fabrik auf - sie stand nämlich in Flammen, und das Feuer vernichtete den größten Teil des Inventars. Noch bevor dieser Schlag richtig überwunden war, erhielt Poscich schon den nächsten: der Erste Weltkrieg hielt es für nötig auszubrechen. Viele der Männer zogen ins Feld, und die schlechte wirtschaftliche Lage während der Kriegsjahre machte Entlassungen notwendig. Waren 1914 noch ca. 70 Leute beschäftigt, hatte sich ihre Zahl bis 1918 auf etwa 20 verringert. Hinzu kam, daß die ausländischen Abnehmer keine Lust mehr hatten, mit deutschen Firmen Handel zu treiben. Trotzdem lief die Produktion bald wieder an, und die Kriegsheimkehrer konnten an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.
Die größte Entlassungswelle aber gab es 1923, dem Höhepunkt der Geldentwertung. Gerade drei Frauen und ein Mann blieben von der Kündigung verschont, und auf den Fließbändern floß kein Carmol mehr in die Flaschen.
Doch was die Inflation niedergerissen hatte - der starke Arm der Rentenmark richtete es wieder auf (eine seinerzeit beliebte Metapher). In den folgenden Jahren erweiterte man die Fabrik nach Osten hin. An der Paulshorster Straße entstand u.a. die neue Druckerei, deren Pressen fortan Etiketten, Kartonagen und Werbematerial ausspuckten. An der Südwestseite wurde der Bau 1926 vollendet. Poscich schaffte moderne Maschinen an und vergrößerte die Produktionspalette auf 30 verschiedene Präparate, z.B. Hyproxit® und Tergol®. 120 Beschäftigte sorgten für einen jährlichen Ausstoß von zwei bis drei Millionen Flaschen. Carmol gab es nicht nur in flüssiger Form; es wurde als Creme und für die Fans von Lutschwaren als Bonbon auf den Markt geworfen.
Die Fabrik stellte jedes Jahr einen Lehrling ein. Sein monatliches Entgelt betrug im ersten Jahr üppige 20 Mark und steigerte sich stufenweise auf sagenhafte 60 Mark nach drei Lehrjahren. Nach Dienstschluß konnte er aber nicht etwa nach Hause gehen, sondern "durfte" dem Prokuristen erst noch die Tasche nach Hause tragen.
Das Unternehmen war in mehrere Geschäftsteile gegliedert: die eigentliche Carmolfabrik, die Druckerei, die Firma MEGABOL, die sich um den Versand auf die Dörfer und Bauernhöfe kümmerte; außerdem die Firma OMEGA, die als Drogengroßhandel kleine Drogerien, Apotheken und sogenannte "Schrankdrogisten" (Kolonialwarenhändler mit Genehmigung für Arzneimittelverkauf) belieferte. Schließlich gab es noch die Dr. Schäffer & Co GmbH, eine verwirrend vielseitige Gesellschaft, die sich ebenso mit der Vermittlung von Anzeigen in Zeitungen wie mit Oberflächenbehandlung von Metallen beschäftigte. Dieses ganze Knäuel aus Tochterunternehmen befand sich aber in der Hand Rudolf Poscichs. Sein Sohn Hans war Chef der Firma Kreuzhammer an der Berliner Straße. Auch dieser Betrieb wollte nicht so recht in eine Schublade passen, denn sein Geschäftsfeld reichte vom Seifenhandel über Honigherstellung bis zur Galvanisierung. Anfang der 30er Jahre baute der alte Poscich seinem Junior ein Produktionsgebäude (der linke Teil der heutigen Berlin Chemie AG), in dem nun Seife, Zahnpasta, Mundspülmittel und andere Kosmetika hergestellt wurden.
Der Senior fand 1937 seine ewige Ruhe und seine Frau Emma ein Jahr später. Der Krieg kam, und Hans Poscich, inzwischen Besitzer des gesamten Betriebes, wurde eingezogen. 1943 starb er an einer Verwundung. Da er Single war und ohne Erben, vermachte er vorher alles seinen Arbeitern und Angestellten. Das Testament bestimmte, daß jeder, der mindestens zehn Jahre der Firma angehörte, einen Anteil erhalten sollte, der sich nach Zugehörigkeitsdauer und Stellung im Betrieb berechnete. Die Wirrnisse jener Zeit schoben die Auszahlung der 42 ermittelten Erben um etwa ein Jahrzehnt hinaus.
In die Villa der Poscichs zog 1954 das Landambulatorium ein.
Durch die Materialrationierung war die Produktion während des Krieges stark eingeschränkt worden. Der Betriebsteil an der Berliner Straße wurde zum Wehrkreissanitätspark umfunktioniert. Vom Bombenangriff der Roten Armee 1945 blieb die Carmolfabrik verschont, ging aber kurze Zeit später durch Brandstiftung in Flammen auf. Die Täter wurden offiziell nie ermittelt. In den Gebäudeteilen, die den Brand überstanden hatten, lief immerhin die Bonbonproduktion weiter. Carmol floß nun in der Berliner Straße in die Flaschen, ab 1949 unter volkseigener Regie. In den 50er Jahren kaufte man das benachbarte Bahnhofshotel dazu und verband die Gebäude später mit einem Zwischenbau.
Heute sind im Betriebsteil Rheinsberg der Berlin Chemie AG noch ca. 60 Leute beschäftigt; Carmol wird dort jedoch nicht mehr hergestellt. Holger Pfeifer


Eisenbahn 

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16831 Rheinsberg

Als die Eisenbahn nach Rheinsberg kam

Das vorige Jahrhundert stand ganz im Zeichen der Eisenbahn, mit deren Hilfe der wirtschaftliche Aufschwung auch in entlegene Gebiete finden konnte.

Nachdem die Kreisstadt Neuruppin 1880 in den Genuß einer Anbindung an das Bahnnetz gekommen war, wollten auch kleine Marktflecken wie Lindow und Rheinsberg auf diesen Zug aufspringen. 1894 nahm man die Planung einer normalspurigen Kleinbahn in Angriff, beschaffte Kapital und Bauland. Da das Verständnis der Rheinsberger am Begriff "Kleinbahn" scheiterte und mit Lindow keine Einigung erzielt werden konnte, mußten sie 1896 feststellen, daß die Strecke dort erst einmal endete. Nun ja, drei Jahre später, am 15. Mai 1899, kam jedenfalls in des jungen Fritzens Stadt das erste Dampfroß an. Auch den Verwaltungssitz der Betreibergesellschaft konnte Rheinsberg erfolgreich an sich reißen.

Die Bahner kamen ganz gut über die Runden, und bald reifte der Plan, das Gleis bis zur Strecke Wittstock - Neustrelitz zu verlängern. Der Erste Weltkrieg und die Inflation machten jedoch einen dicken Strich durch diese Rechnung. Erst im April 1926 war Baubeginn, und es sollte zunächst auch nur bis Flecken Zechlin gehen (siehe Streckenübersicht). Dabei stieß man bald auf Probleme, an denen der moorige Untergrund der Wiesen nicht ganz unschuldig war. Immer wieder kam es vor, daß der aufgeschüttete Bahndamm und das Gleis absackten. Das trieb die Bauzeit ziemlich in die Länge und den Aufwand in die Höhe. Ein Statistiker hatte später ausgerechnet, daß 450.000 Kubikmeter Boden bewegt wurden.
Allen Hindernissen zum Trotz rollte am 15. Mai 1928 der Eröffnungszug von Rheinsberg zum neuen Bahnhof Flecken Zechlin. Für dessen Einweihung hatte man einen gewissen Regierungsrat von Kunowski und weitere Prominenz herangekarrt.

Der ehemalige Verlauf des neuen Streckenabschnittes läßt sich heute noch gut durch die erhaltenen Dämme und Einschnitte nachvollziehen. Vom Rheinsberger Bahnhof ging es nach Westen über die Rhinbrücke, die Lindenallee und die Schwanower Straße, an der sich Schranken befanden. Die Schienen unterquerten dann die Straße nach Braunsberg unter einer Holzbrücke und führten auf einer Stahlbrücke über die Zechliner Chaussee. An der Straße zwischen Kagar und Wallitz lag das Gleis wieder unter einer Holzbrücke. Hinter dem Bahnhof Dorf Zechlin verlief die Strecke nun links von der Straße bis Flecken Zechlin.

Mit Dampfzügen oder Triebwagen konnte man fünfmal täglich nach Löwenberg fahren, stieg dort am Privatbahnhof aus und eilte hinüber zu den Gleisen der Staatsbahn. Sonntags fuhr ein Zug von Rheinsberg direkt bis zum Stettiner Bahnhof in Berlin. Besonders im Sommer war die Linie stark frequentiert, wenn die Touristen zu Tausenden über die nördliche Mark herfielen.

Ein schwerer Unfall ereignete sich im Juli 1938, als bei Köpernitz ein Triebwagen mit einem Dampfzug zusammenstieß Es gab viele Verletzte und auch einige Tote zu beklagen.

Schlechte Zeiten kamen für die Rheinsberger Bahnlinie nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie war zur Leistung der Reparationszahlungen an die Sowjetunion unter den Hammer gekommen und sollte bis Herzberg demontiert werden. Das Abbaukommando hatte sich schon von Zechlin bis Rheinsberg vorgearbeitet, als von höherer Stelle endlich Einhalt geboten wurde. Einer weiteren Beschneidung entging die Strecke durch den Bau des Kernkraftwerkes am Stechlinsee. Die 10 Kilometer lange Anschlußbahn dorthin ermöglichte ab 1958 den Zugverkehr.

Dampflokomotiven ziehen seit 1970 nur noch Sonderzüge nach Rheinsberg. Triebwagen moderner Bauart bestimmen hier erst seit 1996 das Bild.

created 1996 by Holger Pfeifer

Geschichte Schlosstheater 

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16831 Rheinsberg

Geschichte des Schlosstheaters

Das zur Schloßanlage Rheinsberg gehörende Kavalierhaus wurde um 1738 jenseits des Wassergrabens nach Planungen von Knobelsdorff als einfaches zweigeschossiges Gebäude zur Unterbringung des Dienstpersonals errichtet.
Vorher befand sich an der Stelle des Domestikenhauses alter Baumbestand des Schloßgartens. Prinz Heinrich ließ das Gebäude als Kavalierhaus mehrfach erweitern und verändern. Unter der Leitung des Hofintendanten Hennert erfolgte 1774 der Anbau eines Theaterflügels an der westlichen, zum See gelegenen Seite des Kavalierhauses. Symmetrisch zum Theateranbau erhielt das Haus nachfolgend ein stadtseitiges Pendant. Damit war eine großzügige Dreiflügelanlage mit einem dreizehnachsigen Mittelbau geschaffen worden.

In den Jahren 1953 - 1991 wurde die Schloßanlage einschließlich des Kavalierhauses als Diabetikersanatorium genutzt. Der Gebäudebestand wurde zum Teil ohne denkmalpflegerische Begleitung verändert. Die Umnutzung der historischen Innenräume bedeutete vielfache Verluste wertvoller Originalsubstanz. Die Bausubstanz wurde nur notdürftig instandgehalten.
Aus dem Schloßtheater, das nach dem Tode Prinz Heinrichs im Jahre 1802 schon nicht mehr als Theater genutzt wurde, war inzwischen eine Ruine geworden.

Nach 1991 erhielt die neu gegründete Musikakademie Rheinsberg das Kavalierhaus als Domizil. Bald stellte sich heraus, daß das Gebäude den räumlichen Anforderungen nicht genügte. Nach umfangreichen planerischen, bauhistorischen und denkmalpflegerischen Vorarbeiten kann nunmehr im Jahre 1997 mit den Bauarbeiten zu eínem Veranstaltungszentrum begonnen werden, das der Nutzung durch Musikakademie, Kammeroper und Stadt offensteht.

Der Neubau des Künstlerhauses, das als westlicher Flügel die Hofanlage des Kavalierhauses zum See hin abschließen wird, bildet den ersten Bauabschnitt. Das Künstlerhaus umfaßt mehrere Punktionsbereiche: Musikprobenräume für Gruppen- und Soloproben, Betreuungsräume mit einer Kantine und diverse Nebenräume. Insgesamt sind ein Orchesterprobenraum, 2 Gruppenprobenräume und 43 Soloprobenräume vorgesehen, wobei die Soloprobennräume auch für Übernachtungen eingerichtet werden. Im Untergeschoß des Gebäudes steht eine Küchenanlage mit Speiseraum zur Verfügung. Das Veranstaltungszentrum ist damit auf die zeitweilige Unterbringung der Teilnehmer von mehrtägigen Veranstaltungen und Kursen eingerichtet. Im Künstlerhaus entsteht ein Tonstudio, das zugleich eine funktionelle Ergänzung des Theaters sein wird. Im Dachgeschoß des ersten Bauabschnitts sind die Lüftungsanlagen des gesamten Hauses, einschließlich des Theaters vorgesehen.

Rheinsberg, 5. Dezember 1997

GRUNDSTEINLEGUNG FÜR DAS SCHLOSSTHEATER RHEINSBERG

Bis zum Jahr 2000 entsteht auf dem Gelände der Schloßanlage in Rheinsberg ein Schloßtheater. Das Bauvorhaben umfaßt den Neubau eines Künstlerhauses, den Wiederaufbau des historischen Theaters und die Sanierung des bestehenden Kavalierhauses. Das Veranstaltungszentrum wird aus einem Fördermix, der innerhalb der brandenburgischen Landesregierung abgestimmt wurde, finanziert.
Die Mittel in Höhe von rund 23 Millionen DM kommen aus dem Strukturfonds der EU und aus dem Investitionsförderungsgesetz Aufbau Ost. Träger des Bauvorhabens ist die Stadt Rheinsberg, sie wird als Bauherr durch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg vertreten.
Die Grundsteinlegung für den Neubau des Künstlerhauses nehmen vor: Steffen Reiche, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Dr. Aloys Altmann, Abteilungsleiter im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Manfred Richter, Bürgermeister der Stadt Rheinsberg, Prof Dr. Hans Joachim Giersberg, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Ablauf:
-Beginn:14.00 Uhr mit Musik des Polizeiorchesters Potsdam
-Begrüßung der Gäste durch Bürgermeister Richter und Generaldirektor
-Prof. Dr. Giersberg
-Ansprache von Minister Reiche
-Grundsteinlegung durch Minister Reiche, Abteilungsleiter Dr. Altmann,
-Bürgermeister Richter und Generaldirektor Prof. Dr. Giersberg
-Musik mit dem Polizeiorchester Potsdam
-Imbiß

Die Rede von Minister Reiche zur Grundsteinlegung
Was lange währt, wird endlich gut!
Nach einer wechselvollen Geschichte und nach langjährigen Bemühungen können wir heute den Grundstein für das Veranstaltungszentrum Rheinsberg legen und das bedeutet, es kann mit dem Bau begonnen werden.
Ein lang gehegter Wunsch, insbesondere der Rheinsberger, geht in Erfüllung. Gemeinsam haben das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, das Amt Rheinsberg und der Landkreis Ostprignitz-Ruppin sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur die Voraussetzungen geschaffen, daß das historische Schlosstheater in der Schlossanlage in Rheinsberg wiederaufgebaut werden kann. Die Voraussetzung für dieses Engagement der Stadt Rheinsberg und der Landesregierung schufen Frau Dr. Liedtke und Prof. Dr. Siegfried Matthus, die ihre Idee einer Kammeroper und Musikakademie Rheinsberg in die Tat umsetzten.
1774 ließ Prinz Heinrich an die westliche, zum See gelegene Seite des Kavalierhauses einen Theaterflügel mit einer bemerkenswerten frühklassizistischen Ausstattung anbauen, denn Musik und Theater gehörten zu den bevorzugten Vergnügungen am Hofe des Prinzen. Der Ruf der zahlreichen, von der prinzlichen Kapelle begleiteten Opernauffürungen lockte sogar das Berliner Publikum nach Rheinsberg.
Nach dem Tode von Prinz Heinrich im Jahre 1802 wurde das Schauspielhaus nicht mehr benutzt. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts befand sich das Innere des Schauspielhauses in einem äußerst desolaten Zustand; und in den letzten Tage des Zweiten Weltkrieges wurde ein Teil des Daches durch Bombeneinwirkung zerstört. Da dieser Schaden nicht behoben wurde, war die einst so königliche Stätte nun dem endgültigen Verfall preisgegeben. Von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg 1994 vorgenommene Baumaßnahmen zur Sicherung der Theaterruine ermöglichten der im angrenzenden Kavalierhaus beheimateten Musikakademie, dort regelmäßig Sommerkonzerte durchzuführen. Die Kammeroper Schloss Rheinsberg erhielt einen weiteren Aufführungsort zur Durchführung des international bekannten Opernfestivals.
Die Sicherung der Gesamtfinanzierung für das Veranstaltungszentrum, mit dessen Bau ab heute begonnen wird, war angesichts der allerorts knappen Kassen ein langwieriges und äußerst schwieriges Problem. Deshalb ist dem Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nicht genug zu danken, daß es die Fördermittel zur Verfügung gestellt hat. "Der Theaterbau und seine Architektur ist das räumliche Gefäß der gesamten dramatischen Handlung", schrieb Walter Gropius 1934, "die Art seines Aufbaus kann nur aus den vielfältigen Bedingungen entwickelt werden, die das Bühnenkunstwerk selbst stellt". In diesem Sinne hat jede Epoche ihre typischen Theaterformen und Bühnenräume entwickelt. So kann heute nicht mehr das Prinz-Heinrich-Theater von 1774 entstehen, sondern es wird hier ein modern ausgestattetes Veranstaltungszentrum, selbstverständlich in den Außenmauern des historischen Theaters, errichtet. Die an das Theater angrenzenden Räumlichkeiten im historischen Kavalierhaus werden für den Veranstaltungsbetrieb hergerichtet, ein Künstlerhaus für Proben und zur Betreuung der Künstler wird neu gebaut.
Die Errichtung dieses Veranstaltungszentrums verbessert nicht nur die aufführungspraktischen Möglichkeiten musikalischer Ereignisse in Rheinsberg, sondern hat zugleich postive Auswirkungen auf die Entwicklung der ländlichen Strukturen der Region, auf die Entwicklung des Tourismus und die regionale Wirtschaft; Seit Abschaltung des Atomkraftwerkes, der Abwicklung des Sanatoriums und des Erholungsheimes liegt der wirtschaftliche Schwerpunkt in dieser ländlichen Region in den Bereichen Kultur und Tourismus. Rheinsberg entwickelt sich als Erholungs- und Kurstadt. Es ist das einzige Kulturzentrum im Norden des Landes Brandenburg. Neben den Konzerten und Opernaufführungen werden mit der Realisierung der Baumaßnahmen Möglichkeiten für vielfältige Veranstaltungen eröffnet, die die angespannte wirtschaftliche Situation der Region verbessern und fördern werden.
Durch die Realisierung der Baumaßnahmen in Rheinsberg werden auch Ansiedlungsentscheidungen von Unternehmern der gewerblichen Wirtschaft und landwirtschaftlicher Betriebe positiv beeinflust. Und nicht zuletzt dient das Vorhaben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, zum einen zum Betreiben des Veranstaltungszentrums, zum anderen aber auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich des Tourismus, der gewerblichen Wirtschaft und in der Landwirtschaft. Ich danke allen, die sich an der Vorbereitung dieser Baumaßnahme mit Engagement und Sachkenntnis beteiligt haben. Lassen Sie uns alle gemeinsam mit den Architekten und Bauleuten anspruchsvolles Bauvorhaben beginnen und erfolgreich zu Ende bringen. Ich freue mich bereits heute auf die Einweihung dieses Veranstaltungszentrums am 31.12.1999.
Worte für den Hammerschlag
Der erste Schlag gilt dem Bau, möge er zur Zufriedenheit aller gelingen.
Den Musen das Haus
Der zweite Schlag gilt allen Bauleuten, mögen sie mit Freude und problemlos dieses Bauwerk errichten.
dem Haus die Werke
Der dritte Hammerschlag gilt den Menschen, die das Gebäude mit Leben erfüllen, mögen sie sich in diesem Haus wohlfühlen und mögen viele gute Musiker im neuen Veranstaltungszentnun Rheinsberg für gute Musik sorgen.
die Werke den Menschen  


Park 

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16831 Rheinsberg

Geschichte des Rheinsberger Schlosspark

1737 In dem schwach bewaldeten Gelände südlich der Schloßinsel wird nach Plänen von Knobelsdorff begonnen, einen Park im Barockstil unter Verwendung des Achsenmotivs anzulegen.

1740 Für die Überwinterung von Gewächsen der Orangerie werden bei der Gärtnerei Treibhäuser gebaut. Auf der Hauptallee, der verlängerten Nord-Süd-Achse des Schlosses, entsteht die Sphinxtreppe mit Figuren von Christian F. Glume. Dieser beteiligt sich

1741 auch am Bau des Gartenportals am Ende der Allee, das mit Figuren (rechts Pomona, Göttin der Gartenfrüchte, links Flora, Göttin der Blumen und Feldfrüchte) und Vasen verziert wird. Dahinter stellt man einen Holzobelisken als Blickfang auf.

1753 Teile der Anbauten der von Knobelsdorff begonnenen Orangerie werden abgebrochen, um das Orangerierondell anlegen zu können. Im Boberow entsteht ein Kabinett aus Gitterwerk und

1753-54 werden sieben Einsiedeleien angelegt.

1758 Prinz Heinrich läßt zum Andenken an seinen verstorbenen Bruder August Wilhelm ein Rondell mit Büste und Urne anlegen. Östlich der Hauptallee wird das Naturtheater für Freilichtaufführungen gebaut.

1760 An der Eisgrube bei der Gärtnerei werden künstlich Ruinen geschaffen.

1761 Der hölzerne Obelisk am Gartenportal ist verfallen und man baut auf einer entfernten Anhöhe einen Obelisk aus Stein. Auf dem Weinberg wird der Fortunatempel mit einem der Herzogin von Braunschweig gewidmeten Altar errichtet.

1762 Am Westufer des Grienericksees werden durch C. F. Ekel drei bogenförmige Terrassen angelegt.

1764 Östlich der Hauptallee baut man ein Karussell im chinesischen Stil und im Boberow das Küchengärtnerhaus.

1765 Im Südteil des Parks wird das Chinesische Haus und auf den Weinbergterrassen die Säule des Trajan errichtet. Die Reste der Orangerieanbauten werden erweitert und mit Bädern ausgestattet.

1766 Auf dem Orangerierondell stellt man die Plastiken der vier Jahreszeiten von G. A. Cybei und am Stadtportal, an dem ein Graben gezogen wird, die Figuren der Flora und Pomona von Glume auf. Am Ufer des Sees wird der Bau einer Meierei beendet, an deren Giebelseite der Maler Fechhelm 1765 die Ruinen des Tempels der Concordia darstellte.

1767 Mit dem kleinen Damm gibt es eine Überbrückung des Feuchtgebietes zwischen Park und Weinbergterrassen.

1768 Im Forst Boberow entstehen das prinzliche Forsthaus und die sogenannte "Schwarze Furt" (Damm nach Warenthin), am Ende der Querallee eine Einsiedelei, sowie ein chinesisches Angelhaus nördlich vom Kavalierhaus.

1769 Bei der Einsiedelei errichtet man den Proserpina-Altar und auf dem Lehmberg Ruinen (aus Holz) im römischen Stil.

1770 Am Fuße der Terrassen wird das Tannenzapfenhaus gebaut.

1771 Auf der Remusinsel beginnt mit einem chinesischen Haus die Bebauung.
An der südlichen Bucht des Grienericksees legt man einen Gondelhafen mit dem neogotischen Leuchtturm Pharus an, baut am Böbereckensee das Grabmal des Vergil, eine achteckige abgestumpfte Pyramide, und im Boberow eine Eremitage.

1773 Im nun erweiterten Boberowpark werden die chinesische Pforte, der achteckige Jupitertempel (auch Freundschaftstempel) und auf der Remusinsel der Chinesische Tempel errichtet.

1783 Die 1753 begonnene Feldsteingrotte wird fertiggestellt. Ihr Inneres ist mit Muscheln, Glas und künstlichen Tropfsteinen ausgeschmückt.

1786 Das Ananashaus muß abgebrochen werden.

1790 Am Westende der Querallee wird die Einsiedelei durch die Grotte der Nymphe Egeria ersetzt. Im Forst Boberow baut man den Tempel für teure Verstorbene und für die Gärtnerei ein neues Haus (altes Gärtnerhaus 1767 bis 1780er).

1791 Der Obelisk von Boumann d. J. ist fertiggestellt. Auf 28 Schrifttafeln würdigt er die Verdienste preußischer Heerführer im Siebenjährigen Krieg und ist ein weiteres Denkmal an Heinrichs Bruder August Wilhelm.

1794 Zum Andenken an den französischen Minister Malesherbes, der als Verteidiger Ludwigs XVI. guillotiniert wurde, läßt Heinrich im Boberow einen Säulenstumpf aufstellen.
Das Tannenzapfenhaus muß abgetragen werden.

1802 Prinz Heinrich wird nach seinem Tod in der Pyramide beigesetzt, die nach seinen Plänen (am Standort des chinesischen Karussells) gebaut und mit einer von ihm verfaßten Inschrift versehen wurde.
Die stark verwitterten Lehmberg-Ruinen trägt man ab, und

1803 werden die sieben Einsiedeleien im Boberow verkauft, da die notwendigen Reparaturen nicht mehr ausgeführt werden können.

1805 Den Graben am Stadtportal schüttet man wieder zu.

1810 Auf der Remusinsel wird die Bebauung beseitigt und

1812 auch der Fortunatempel auf dem Weinberg.

In den folgenden Jahrzehnten werden noch viele andere Bauten im Park und im Boberow abgetragen, zerstört oder dem Verfall preisgegeben. Um 1920 beseitigt man z.B. das Küchengärtnerhaus, das 1864 durch die Kasinogesellschaft zu einem Vergnügungslokal umgebaut wurde. Die Figur der Pomona, die sich seit 1856 am ehemaligen Standort des Jupitertempels befand, wird 1976 eingelagert und später an ihrem alten Platz, am Stadtportal, wieder aufgestellt.

Im Park werden nur die notwendigsten Pflegemaßnahmen durchgeführt, und erst 1975 beginnt die Restaurierung der Gartenanlagen nach historischem Vorbild. Mehrere Partien werden wieder hergerichtet, u. a. das Naturtheater (1976), die Hauptallee (1977 Neupflanzung), das Orangerierondell (1978), die beiden Grotten (ab 1979), die Grabpyramide (1980), der Tempel für teure Verstorbene (1992) und der Obelisk


Post 

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16831 Rheinsberg

Kurze Geschichte der Rheinsberger Post

Mehr als drei Jahrhunderte ist es nun schon her, seit unter dem "Großen Kurfürst" die brandenburgische Staatspost gegründet wurde. Einen großen Aufschwung hatte die Post, nachdem sich Friedrich Wilhelm I. 1713 auf den preußischen Königsthron schwang. Da er Wert auf ein gut ausgebautes Netz legte, entstanden viele neue Postkurse, z.B. von Berlin nach Güstrow über Fehrbellin, Ruppin und Wittstock.

Das Städtchen Rheinsberg wurde 1734 Poststation, auf der Route von Berlin ins mecklenburgische Strelitz. Zu dieser Zeit kümmerte sich gewöhnlich der Bürgermeister um die Aufgaben des Postmeisters. Leutnant Carl Hennert berichtete 1778 über die bestehenden Linien, denen man sich oder sein Gut anvertrauen konnte (oder mußte, in Ermangelung von Alternativen): montags vormittags und freitags morgens nach Wittstock mit Anschluß nach Hamburg und Mecklenburg; montags und freitags abends nach Berlin über Fehrbellin.

Die Meilensäule auf dem Triangelplatz steht dort seit 1765 und verkündete damals die Entfernungen "der vornehmsten Städte von Rheinsberg nach deutschen Meilen", z.B. "10 Meilen - Berlin Dönhofplatz". (Eine preußische Meile entsprach zu dieser Zeit 7533,25 Metern.) Der Dönhofplatz war als Bezugspunkt für die Vermessung der preußischen Poststraßen gewählt worden, die in verstärktem Maße aber erst ab 1801 vorgenommen wurde.

In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts beschäftigte die Rheinsberger Post 18 Pferde und 6 Postillione. Aus der 1813 herausgegebenen "Allgemeinen Post-Charte von Teutschland" ist ersichtlich, daß die Postkutschen aus Neuruppin ihren Weg über Braunsberg nahmen. Diese Strecke wählte später auch Theodor Fontane, als er Rheinsberg besuchte. (Wenn er sein Buch auch "Wanderungen durch die Mark" titelte, nahm der Dichter meist lieber die Bequemlichkeit seiner Kutsche in Anspruch.)

Das Reisen mit der Post war damals entgegen einem verbreiteten Klischee nicht unbedingt ein romantisches Unterfangen. Es galt das Sprichwort "Wer mit der Post reiset, muß eines Lastträgers Rücken und eines Fürsten Beutel haben." Das erste lag an den schlechten Straßenzuständen und den damit verbundenen Erschütterungen des Wagens, letzteres an den Fahrpreisen und den Trinkgeldern, die Postillion, Wagenmeister und Kofferträger verlangten.
Wer nicht mit der planmäßigen, der "ordinären" Post fahren wollte, der konnte sich eine sogenannte Extra-Post bestellen, die dann einen meist direkteren Weg wählte. So fuhr die Extra-Post nach Berlin über Grieben und Oranienburg. Für solche Sonderleistungen hatte man natürlich höhere Preise zu berappen, denn es mußten ja noch Pferde und Wagen besorgt werden. Die Reisegeschwindigkeit der Kutschen betrug etwa eine Meile pro Stunde.
Der englische Schriftsteller Andrew Hamilton, der 1872 nach Rheinsberg kam, benutzte von Berlin die Ruppiner Postkutsche bis Herzberg und fuhr von dort mit dem Pferdeomnibus eines Privatunternehmens weiter. "Es war ein aus Fichtenbrettern zusammengezimmerter Kasten, mit ein paar Fensterscheiben versehen und mit Ölfarbe angestrichen." Drei Stunden wühlte sich der Wagen durch den märkischen Sand, bis das Ziel erreicht war. Die Postkutsche, die Hamilton später nach Zechlin brachte, beschrieb er folgendermaßen: "Es ist ein enger, überdachter Wagen von hohem Alter, der nur drei Passagiere aufnehmen kann, von denen die Mehrzahl im Innern des Wagens untergebracht wird, der Rest aber auf der Hälfte eines schmalen und unbequemen Sitzbrettes neben dem Kutscher."

Weibliche Postangestellte gab es kaum, da die Postmeister Sorge hatten, daß das "Postgeheimnis wegen der Geschwätzigkeit der Frauen nicht gewahrt" bliebe. Erst mit der verstärkten Einführung des Telegraphendienstes fanden sie ein größeres Betätigungsfeld.
Rheinsberg hatte 1871 noch kein Telegraphenamt, wie Teßner vermerkte. Die Nachrichten von den preußischen Siegen im Krieg gegen die Franzosen brachten Eilboten in die Stadt.
Das Geographische Lexikon nennt den Ort 1883 als Telegraphenstation.

Das Postamt befand sich Ende des vorigen Jahrhunderts in der heutigen Bäckerei, Ecke Schloßstraße/Lange Straße. (In den sechziger Jahren fand man bei Malerarbeiten an einer Wand Spuren von Posteinrichtungen.) Es wurde später auf die andere Seite der Schloßstraße verlegt, bevor 1903 ein neues Postamt aus rotem Backstein am heutigen Standort entstand (Foto).
Die Eisenbahnlinie von Löwenberg nach Rheinsberg wurde 1899 fertiggestellt, und man mußte das Postgut nicht mehr aus Gransee holen. Der Verkehr von Postkutschen ging immer mehr zurück, und wurde, besonders nach dem Ersten Weltkrieg, auf Kraftpost umgestellt. Das "platte Land" versorgten Landbriefträger auf Schusters Rappen mit Post und und natürlich dem neuesten Tratsch. Die meisten der umliegenden Gemeinden hatten kleine Poststellen, außer Braunsberg, Heinrichsdorf, Schwanow und Zechow.
1923 wurden die Raumkapazitäten des Postamtes sehr stark von den Mengen an Papiergeld beansprucht, mit denen die Kunden die astronomischen Gebühren bezahlten. So kostete ein einfacher Fernbrief, den man bis zum 30.11.1919 für 15 Pfennige verschicken konnte, ab dem 26.11.1923 die Kleinigkeit von 60 Milliarden Mark!

"Griebens Reiseführer" gab 1928 Kraftpostlinien nach Wesenberg (im Sommer bis dreimal täglich) und nach Wittstock über Zechlin (einmal täglich) an. Die Linie nach Zechlin bekam jedoch durch die Eröffnung der Bahnstrecke 1928 Konkurrenz und verlor bald an Bedeutung.
In den dreißiger Jahren wurde das Rheinsberger Postamt abgetragen, und bis 1938 entstand am selben Platz ein neues Gebäude, das den modernen Anforderungen besser entsprach. Zwei Jahre später war das Verstärkeramt am Kiefernweg fertiggestellt. Es bildete eine Zwischenstation von Telefonkabeln zwischen Berlin, Norddeutschland und Nordeuropa. Telefonzellen gab es in Rheinsberg noch nicht, nur auf dem Postamt fand man einen öffentlichen Fernsprecher.
Vor dem Krieg bestanden Postbusverbindungen nach Neuruppin, Neustrelitz und im Sommer nach Fürstenberg über Neuglobsow. Die gelben Busse faßten etwa 25 bis 30 Passagiere und bildeten neben der Eisenbahn und den Binnenschiffen die wichtigste Stütze des öffentlichen Verkehrs.
Das Postgut, das mit der Bahn eintraf, holten die Angestellten mit einem zweirädrigen Karren vom Bahnhof ab. Eilige Briefe konnte man abends noch zum Zug bringen, wo sie den Stempel "Bahnpost" erhielten.

Nach Kriegsende war der Postverkehr fast zusammengebrochen und erreichte die Stadt nur einmal in der Woche.
Kleine Postbusse fuhren noch in den sechziger Jahren in die umliegenden Dörfer, wurden dann aber eingestellt. In der Silvesternacht 1977 geriet die Post durch einen in den Briefkasten geworfenen Knallkörper in Brand. Pech für viele Betriebe - ihre Jahresabrechnungen lagen in jenem Kasten und fielen so den Flammen zum Opfer.
Seit dem 1. Juli 1993 wirbt wieder ein Sonderstempel für Rheinsberg als "Stadt des jungen Fritz".

Holger Pfeifer


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Herr Jörg Möller
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Schifffahrt 

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16831 Rheinsberg

Motorschiffahrt / Dampfer

Um die Jahrhundertwende erwarb Rudolf Schneider das (alte) Grundstück mit der Koppeschen Badeanstalt am Bollwerk.
Er war auch Pächter vom Bollwerk, das Stadteigentum war.

1881 Sohn Rudolf geboren, erlernte Schiffs- und Maschinenbau auf der Werft Neustrelitz
der alte Rudolf Schneider begann mit Bootsverleih, und erwarb die "Marie" (einfacher flacher Schleppkahn), um die Jahrhundertwende es erfolgte ein Umbau zum "Friedrich der Große" mit Überdachung und Motor

1902 Inbetriebnahme Strecke: Hütte, Zechlin Unternehmen lief unter dem Namen "Dampferschneider"

1913 Kauf der "Ilse" und des "Alexander" (kleine Boote mit Persenning
es erfolgte ebenfalls ein Umbau zu Motorbooten mit Überdachungen / Kabinen)

1914 wurden die Boote für Kriegszwecke benutzt

1928 "Ostprignitz" in Betrieb genommen, ließ er in Fürstenberg bauen, die Gelder stammten vom Landrat des Kreises Ostprignitz, Taufe erfolgte in Flecken Zechlin beim
Gasthof "die Kaisereiche"

1929 erfolgte ein Neubau des "Friedrich des Großen" bis zum II. Weltkrieg waren auch die Darlehen bzw. Schulden getilgt während des Krieges erfolgte keine Schiffahrt (kein Sprit)

1946 Wiederaufnahme der Dampfschiffahrt mit der "Ilse" und der "Ostprignitz" seit ca. Mitte der 50er Jahre Walter Schneider (Urenkel vom alten Rudolf Schneider)

seit 1961/62 Bildung der "Weißen Flotte" mit Träger durch den FDGB Bau eines Landungssteges Ende der Seestraße am Grienerick See

1962 Kauf der "Zeuthen" Walter Schneider inzwischen Vertragspartner der DSU (Deutschen Schiffahrts- und Umschlaggesellschaft - Sitz Fürstenberg)

1970 Übernahme der "Weißen Flotte" vom "Erholungswesen" Kauf der 1928 gebauten "Rheingold" - Umbenennung in "Rheinsberg"

1978 Walter Schneider beendet sein Unternehmen die Stadt erwirbt die "Remus" aus Berlin-Köpenick

Herbst 1991 Auflösung des "VEB Erholungswesens",

1991 läuft die "Remus" privat

02.03.1992 Kauf der "Remus" durch Eberhard Halbeck

26.03.1992 Gründung des Schiffahrtsunternehmen Halbeck

Mai 1993 "Rheinsberg" in Dienst gegangen (Bau durch Schiffswerft Malz bei Oranienburg)

1995 / 96 Bau und Kauf der "Rhinperle" (mit Hilfe der Sparkasse Ostprignitz Ruppin bei der Binnenwerft Berlin)

22.06.1996 Jungfernfahrt der "Rhinperle"


Schützengilde 

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16831 Rheinsberg

Die Schützengilde
Fröhliche Schießereien im Stadtwald

"Sie hat den Zweck, durch öftere Zusammenkünfte, durch gemeinsame gesellige Vergnügungen ihre Mitglieder mit einander zu befreunden, bürgerlichen Sinn zu wahren und zu heben, durch öftere Schießübungen den Schießsport zu fördern und in Zeiten der Gefahr Sicherheits- und Wachdienst nach Vereinbarung mit dem hiesigen Magistrat zu leisten."
So kann man es im Statut der Rheinsberger Schützengilde von 1904 lesen (wenn man eins hat). Gegründet wurde sie bereits 1845 und gehört damit zu den ältesten Vereinen der Stadt.
Der Bäckermeister Hermann Läge schrieb anläßlich des 90. Stiftungsfestes 1935 eine Chronik der Gilde und trug als Vorsitzender einen großen Stapel Akten über den Schriftverkehr, die Haushaltsrechnungen, die Schießveranstaltungen u. a. zusammen, die heute einen interessanten Einblick gewähren.

Am 7. September 1845 kommen 21 Rheinsberger Bürger zusammen, um die erforderlichen Repräsentanten der zu gründenden Gilde zu wählen. Im Ergebnis der Abstimmung darf sich Postmeister Betzien fortan Kommandeur nennen. Maurermeister Seiffert obliegt als Rendant die Verwaltung der Vereinskasse und Glaser Kirnberger wird zum Schriftführer bestimmt. Die Aufgaben des Ersten und Zweiten Schützenmeisters überträgt man dem Besitzer der Steingutfabrik Meyer und dem Kaufmann Thiele. Fahnenträger wird Schneider Tipold. Auch die anderen Freizeitschützen sind Rheinsberger Gewerbetreibende. Zu den Ehrenmitgliedern gehören der Justizrat, der Oberförster, sowie zwei Prediger. Entsprechend den damaligen Gepflogenheiten bleibt der Schießsport den Herren der Schöpfung vorbehalten. Aufnahmebedingung ist u.a., daß man sich verpflichtet, der Körperschaft mindestens sechs Jahre anzugehören. Im September 1845 genehmigt der Polizei-Magistrat das vorläufige Statut, und so kann am 15. Oktober das eigentliche Gründungsereignis stattfinden: das Königsschießen. (Dabei geht es natürlich nicht darum, einen Monarchen mit gezieltem Schuß niederzustrecken, sondern lediglich um die Ermittlung des Schützenkönigs.) Am Vortag veranstalten die Schützen einen Zapfenstreich, und am nächsten Morgen um 6 Uhr (!) werden die Anwohner des Marktplatzes von drei "Donnerschlägen" aus einem kleinen Geschütz geweckt. Drei Stunden später hat sich die Schützenkompanie vor dem Rathaus aufgereiht, Kommandeur und Bürgermeister halten ihre Ansprachen und unter Kanonendonner wird ein "Lebehoch auf den allergnädigsten König!" ausgerufen. (Es war von Vorteil, sich bei bestimmten Leuten einzukratzen.) Am Abend lädt der Gastwirt Heise zum Ball in den Ratskeller ein.

1846 bekommt die Gilde eine Fahne und eine Fahnenspitze, sowie ein kleines Geschütz gestiftet (was man halt so braucht). In jenem Jahr überschattet ein tragischer Unfall das Königsschießen: Den Scheibenanzeiger ereilt eine verirrte (?) Kugel in die Kniehöhle. Zum Trost erhält der Betroffene ein freies Mittagessen, und seine Kameraden sammeln für ihn.
Nicht nur beim Schießen gibt es Probleme, wie ein Sitzungsprotokoll von 1847 vermerkt: "Unter der Schützengilde sind viele Tänzer, die den bis jetzt an der Tagesordnung gewesenen Galopp nicht lieben, und wird, um diesem Uebelstand abzuhelfen, folgendes Tanzreglement festgesetzt:". Es folgen 16 verschiedene Tänze, so daß die Chance, sich herauszureden, drastisch sinkt.
In der Zeit der Revolution von 1848 kommt der Verein den Festlegungen seines Statuts nach, indem er mit einem nächtlichen Wachdienst für die "öffentliche Ordnung" sorgt (Wenn die Staatsgewalt versagt, ist die Bürgerwehr gefragt).
Noch verfügt man nicht über eine eigene Schießsportstätte und so wird 1850 der Plan zum Bau eines Schützenhauses auf dem Rosenplan erörtert. Er gelangt jedoch nicht zur Ausführung, da der Kostenvoranschlag von 1000 Talern die Euphorie gewaltig dämpft.

Zur Regelung von Streitigkeiten unter den Mitgliedern, zu denen es ja trotz aller Kameradschaft kommen kann, schafft sich die Gilde 1875 ein Ehrengericht an. Es muß jedoch nur zweimal zusammentreten: wegen Verleumdung und Beleidigung.
1895 werden die Funktionen von Kommandeur und Vorsitzenden auf zwei Personen aufgeteilt. Anläßlich des 50. Jubiläums der Rheinsberger Schützengemeinschaft stiftet Kaiser Wilhelm II. eine neue Fahne. Bürgermeister Goetsch steuert einen silbernen Becher bei, aus dem zukünftig der Schützenkönig den Königstrunk genießen kann. Wer diesen Rang erreicht hat, dem werden noch weitere Ehrungen zuteil. Die Gilde präsentiert für ihn das Gewehr, ihm steht der erste Schuß beim Vogelschießen zu, bei der Tafel sitzt der strahlende Sieger "obenan" und er darf den Ball eröffnen. (Nur einmal König sein!)

Unter Bürgermeister Busch (1903-1919 im Amt) erfüllen sich die langgehegten Hoffnungen auf eine eigene Schießhalle. Im Stadtwald wird ein Geländestreifen erworben, und 1911 beginnt die Projektierung für das Schützenhaus. Maurermeister Seiffert übernimmt den Bau und berechnet nach der Fertigstellung der "Schießhalle mit Aborten und Blenden" 10.281,73 Mark.
Am Pfingst-Wochenende 1913 ist es dann soweit: Die Einrichtung wird unter Teilnahme des Stadtparlamentes, der Ehrenmitglieder, Ehrendamen, des Krieger- und des Militärvereins und der Feuerwehr feierlich eingeweiht. Zu Ehren des Bürgermeisters pflanzt man eine Eiche (den dazugehörigen Gedenkstein - schon etwas verwittert - finden wir noch heute unweit des Gebäudes). Es stehen acht Schießstände mit Längen von 100, 175 und 300 Metern zur Verfügung.

Die Freude am neuen Heim bleibt nicht lange bestehen, da bei Ausbruch des Krieges 1914 viele von der Sportwaffe zum Armeegewehr wechseln, und das Königsschießen in diesem Jahr ausfällt.
1920 ist die Zahl der Mitglieder auf über 100 angestiegen. Bäckermeister Läge wird zum Kommandeur gewählt.
Da die Fahne in die Jahre gekommen ist, fertigen die Schützenfrauen 1926 eine neue (nun schon die dritte) Fahne an.
Das Schützenhaus erfährt eine rege Nutzung. Auch aus anderen Orten Deutschlands reisen Gilden an, um hier ihr Geschick zu testen und damit gleich einen Urlaub in der schönen Rheinsberger Landschaft zu verbinden. Ferner stellt man die Schießstände dem örtlichen Männerturnverein gegen eine Jahresgebühr von 3 RM gelegentlich zur Verfügung. Der Pächter der Gaststätte ist Karl Schütze (kein Werbegag!), der für Touristen ständig ein Zimmer bereithält.
1931 übernimmt Kommandeur Läge zusätzlich die Funktion des Vorsitzenden, so daß beide Ämter nach 36 Jahren wieder personell vereint sind.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Tätigkeit des Vereins verboten und das Schützenhaus enteignet.
Am 31.Oktober 1992 hat sich die Rheinsberger Schützengilde neugegründet und fand 1994 in einem ehemaligen Verbrauchermarkt eine neue Wirkungsstätte.

Holger Pfeifer

Zeittafel Rheinsberg 12.Jh. bis 1870 

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16831 Rheinsberg

  

12.Jh. Am Rhinufer siedeln slawische Stämme.
 
1335 wird "Rynesperg" zum ersten Mal urkundlich erwähnt und
 
1368 das erste Mal als Stadt bezeichnet.
 
1418 gelangt die Familie von Platen in den Besitz von Rheinsberg, und nach ihrem Aussterben wird
 
1465 die Familie von Bredow Lehnträger. Nachdem Joachim von Bredow (Lehnsherr seit 1524) durch einen Streit um bäuerliche Abgaben beim Kurfürsten von Brandenburg in Ungnade fällt, entsendet dieser
 
1527 Truppen nach Rheinsberg, die Stadt und Burg plündern.
 
1566 bricht ein Feuer aus, dem fast die gesamte Stadt, die Kirche sowie die Burg zum Opfer fallen.
 
1568 wird die wiedererbaute Kirche nach Westen um das Dreifache erweitert.
 
1591 fordert die Pest 229 Tote.
 
1599 genehmigt Kurfürst Joachim Rheinsberg zwei Jahrmärkte zur "besseren Aufnahme der Stadt".
 
1600 berichtet man von einer großen Kälte, wodurch viele Einwohner in ihren Häusern erfrieren.
Die wirtschaftlich schlechte Lage am Anfang des 17. Jahrhunderts führt zu einer großen Teuerung. Die Menschen ernähren sich von verendetem Vieh und verdorbenen Lebensmitteln. Die Folge ist, daß
 
1611 erneut die Pest ausbricht.
 
1618 verkauft Jobst von Bredow den Besitz für 75.000 Taler an Lunow von Lochow, Domherr zu Magdeburg. Während des Dreißigjährigen Krieges brechen verschiedene Katastrophen über Rheinsberg herein:
 
1631 die Pest,
 
1635 die schwedischen Truppen, die den Ort in Asche legen und die auf die Remusinsel geflüchteten Einwohner aufspüren und niedermetzeln;
 
1638 abermals die Pest.
 
1675 fallen die Schweden unter General Wrangel erneut in Rheinsberg ein und legen einen Brand, der die Stadt bis auf die Kirche und sieben Wohnhäuser vernichtet. Der Prediger Cabusius findet mit den meisten Einwohnern Schutz auf der Remusinsel. Später geht der noch immer schwer zerstörte Besitz an den Kurfürsten, der ihn dem General du Hamel zum Geschenk macht. Dieser trennt sich davon nach kurzer Zeit, als er ihn
 
1685 für 12.600 Taler an die Hugenottenfamilie de Beville verkauft.
 
1701 wird der Kaufmann Jeremias Hermann aus Dessau Eigentümer, bis er
 
1715 Rheinsberg wieder an de Beville veräußert. In dessen Besitz bleibt es bis
 
1734 ,als der preußische König Friedrich Wilhelm I. Schloß und Stadt für seinen Sohn Friedrich erwirbt (75.000 Reichstaler).
 
1736 halten Friedrich und seine Gemahlin Elisabeth Christine Einzug.
 
1740 tritt Friedrich die Thronfolge an und siedelt nach Potsdam über.

In Rheinsberg bricht im selben Jahr ein Brand aus, der nur die Kirche und 19 Häuser in der Mühlenstraße verschont.
 
Danach muß Rheinsberg fast vollständig neu aufgebaut werden. Die Pläne dafür fertigt der Baumeister von Knobelsdorff an, unter dessen Regie auch der Schloßumbau beendet wurde. Die Straßen legt er rechtwinklig an, um bei künftigen Bränden eine schnelle Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Die Stadtmauer wird abgerissen, und man umgibt die nun größere Siedlung mit einem Palisadenzaun, der durch drei Tore unterbrochen wird.
 
1743 entsteht vor dem Scheunentor das Vorwerk. An der Kirche ist das neue Schulgebäude fertiggestellt.
 
1744 schenkt Friedrich der Große Rheinsberg seinem Bruder Heinrich.
Friedrichs Kammerdiener Fredersdorf bekommt den Prinzlichen Keller, das Gasthaus am Marktplatz. Die dazugehörige Brauerei in der Mühlenstraße braut fortan das Fredersdorfer Bier.
 
1757 erhält das bis dahin kirchliche Möskefest einen militärischen Charakter. Anlaß dafür ist der Sieg der preußischen Truppen bei Prag gegen die Österreicher.
 
1758 lagern die Schweden vor Rheinsberg. Die Stadt wird jedoch durch den Freikauf mit 7.728 Talern vor der Zerstörung bewahrt.
 
1762 gründet Baron von Reisewitz die Fayencefabrik in der Seestraße.
 
1765 stellt man am Triangelplatz die Meilensäule auf.
 
1769 entsteht am Rhinufer die Untermühle.
 
1770 erwirbt der Berliner Unternehmer Lüdicke die Fayencefabrik.
 
1792 zieht das Zolldepartement in den prinzlichen Keller ein, bis Prinz August, der
 
1802 nach dem Tode Heinrichs Eigentümer wird,
 
1804 das Gasthaus der Stadt schenkt.
 
1812 ,als der Napoleonische Krieg tobt, marschieren mehrere Truppen durch Rheinsberg, und nach Kriegsende wird
 
1814 die Friedenseiche am Markt gepflanzt.
 
1816 entsteht das neue Steingutwerk von Meyer an der Rhinstraße.
 
1826 brennt die Windmühle des Mühlenmeisters Lucas ab und
 
1828 brennen 7 Scheunen vor dem Seetor. Die Stadttore werden um
 
1830 wegen Baufälligkeit abgerissen.
 
1833 wird das Zollamt zum Nebenzollamt erster Klasse befördert.
 
1835 findet ein Umbau der Schule statt, die baufällig geworden ist.
 
1836 reißt man die Balustrade ab, die den Triangelplatz umschlossen hat.
 
1840 vernichtet ein Brand 30 Scheunen im Osten der Stadt.
 
1845 begründen 21 Bürger die Schützengilde.
 
1847 entstehen befestigte Chausseen nach Lindow, Gransee und Zechlin.
 
1849 wird das prinzliche Justizamt zur Gerichtskommission.
 
1860 weilt der Maler Adolph Menzel zum Kuraufenthalt in die Stadt und fertigt vieleSkizzen an.
 
1862 erscheint der erste Band der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" von Theodor Fontane, der sich u. a. auch Rheinsberg widmet.
 
1865 nimmt das Dampfschneidewerk den Betrieb auf; im alten Steingutwerk wird
 
1866 die Produktion beendet.

 

 


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Zeittafel Rheinsberg 1871 - 1945 

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16831 Rheinsberg

1873 gründen etwa 30 Kriegskameraden den Kriegerverein. Am Markt öffnet das Restaurant "Deutsches Haus" seine Pforten.
 
1875 bilden 25 Sportbegeisterte den Turnverein und die erste freiwillige Feuerwehr.
 
1879 ist nach zweijähriger Bauzeit das Kanalsystem fertiggestellt, das den Grienericksee mit dem Pälitzsee verbindet.
Aus der Gerichtskommission wird das Amtsgericht.
 
1883 erscheint die deutsche Übersetzung des Buches "Rheinsberg, Friedrich der Große und Prinz Heinrich von Preußen" vom Engländer Andrew Hamilton.
 
1884 gibt der Uhrmacher Heick die erste Zeitung Rheinsbergs heraus.
Es gründen sich der Landwirtschaftliche Verein und eine neue Freiwillige Feuerwehr, die aber nur wenige Monate besteht.
 
1886 erwirbt der Unternehmer Franz Otto den "Ratskeller", aus dem er nun wieder eine renommierte Einrichtung macht.
 
1889 beendet man im Norden der Stadt den Bau der schloßartigen Villa "Miralonda" des Berliner Fabrikbesitzers Vogt.
 
1890 wird der Lehrerverein gegründet.
 
1894 entsteht die Spar- und Darlehenskasse Rheinsberg e.G.m.u.H.
Die erste Ausgabe der "Rheinsberger Zeitung" von Carl Thurmann erscheint.
Hermann Strubel erbaut südlich der Stadt die Holländer Mühle.
 
1898 findet die entgültige Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr statt.
 
1899 erhält Rheinsberg Anschluß an die Eisenbahnlinie Löwenberg - Lindow.
Das neue Gaswerk nimmt seinen Betrieb auf.
 
um 1900 werden die Stadtstraßen gepflastert. Ein Brand zerstört in der Mühlenstraße mehrere Häuser.
Auf dem Rosenplan wird ein Steigeturm und auf dem Marktplatz ein Musikpavillon errichtet.
 
1902 beginnt Rudolf Poscich in einem kleinen Schuppen in der Schloßstraße mit der Produktion des von ihm erfundenen Heilmittels CARMOL.
Über Herzberg besteht jetzt eine Bahnverbindung nach Neuruppin. Der Reeder Rudolf Schneider stellt den Ausflugsdampfer "Friedrich der Große" inDienst.
 
1903 wird vor dem Schloßparkeingang das Denkmal des jungen Friedrich eingeweiht, das der Berliner Bildhauer Gottlieb Elster geschaffen hat.
 
1904 wird in Hohenelse ein Genesungsheim gebaut, nachdem das Objekt zwei Jahre zuvor an die Landesversicherungsanstalt Brandenburg ging.
 
1907 eröffnet das Kur- und Warmbad in der Vogtstraße.
 
1908 können die Rheinsberger Kinder einen neuen Badestrand nördlich vom "Miralonda"- Park nutzen.
 
1910 erwirbt Carl Frey das Grundstück der alten Molkerei, die zur Brauerei umgebaut wurde, und beginnt mit der Produktion von Bier und alkoholfreien Getränken.
Die Ruderer reihen sich in die Zahl der Sportvereine ein.
 
1911 entsteht die Chaussee nach Neuruppin über Zippelsförde.
 
1912 schreibt Kurt Tucholsky sein Büchlein "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte".
Dem Dichter Theodor Fontane wird auf dem Marktplatz ein Gedenkstein gesetzt.
Ein Brand in der Carmolfabrik vernichtet den größten Teil des Inventars.
 
1913 kommt der Dichter Gerhard Hauptmann nach Rheinsberg und steigt im "Ratskeller" ab.
Die Schützengilde bezieht ihr neues Schützenhaus im Stadtwald.
Im Dezember wird die neuerbaute Stadtschule eingeweiht.
 
1914 stellt die Untermühle ihren Betrieb ein.
 
1919 können die Rheinsberger ihre Wohnungen mit elektrischem Licht erhellen.
 
1919-1924 entstehen die Siedlungen in Rhinhöhe (Carsten`sche Siedlung), an der Paulshorster Straße und an der Menzer Straße.
 
1920 kommt es nach einer Weihnachtsfeier zum Brand der neuen Turnhalle.
Das Klubhaus der Casinogesellschaft im Forst Boberow muß abgetragen werden.
 
1921 ist auf dem Kirchplatz der Steigeturm der Feuerwehr fertiggestellt.
 
1923 wird eine Filiale des Bankvereins Zehdenick eröffnet.
 
1925 fällt ein großer Teil der Steingutfabrik den Flammen zum Opfer.
 
1928 weiht man nach zweijähriger Bauzeit die Bahnlinie nach Flecken Zechlin ein.
Die Gutsbezirke werden aufgehoben, und Wittwin, Feldgrieben, Beerenbusch, der Schloßpark und Schlaborn werden eingemeindet.
Walter Teßner schreibt die "Chronik der Stadt und des Schlosses Rheinsberg".
Das Dampfschiff "Ostprignitz" der Reederei Schneider wird in Dienst gestellt.
 
1929 steht die neue Seebadeanstalt den Badewilligen zur Verfügung.
Auf dem Kirchplatz wird das von Professor Hosaeus geschaffene Kriegerdenkmal eingeweiht.
Für die Mühlen-, Schloß-, Kirch- und Seestraße entstehen Oberflächenentwässerungen.
 
1932 weiht die evangelische Gemeinde ihr neues Gemeindehaus ein.
 
1933 übernimmt die SA Hohenelse und richtet eine Sportschule ein, die
 
1935 in einen Jugendhof für Auslandsdeutsche umgewandelt wird.
 
1936 hält man zum ersten Mal die "Tage von Rheinsberg" ab. Anlaß ist das 200. Jubiläum des Einzugs Friedrichs des Großen ins Schloß.
 
1938 kommen mehrere Menschen bei einem Eisenbahnunglück ums Leben, als an der Döllnitz ein Personenzug und ein Triebwagen zusammenstoßen.
Die Post erhält ein neues Gebäude, nachdem das alte abgetragen wurde, und
 
1940 ist nach zweijähriger Bauzeit das Verstärkeramt am Kiefernweg fertig.
 
1945 erschießt jemand den Parlamentär der Roten Armee, die daraufhin Fliegerbomben auf die Stadt abwirft. Mehrere Wohn- und Geschäftshäuser werden zerstört.


Zeittafel Rheinsberg 1945 -1989 

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16831 Rheinsberg

1945 fällt die Eisenbahnstrecke nach Flecken Zechlin den Reparationszahlungen zum Opfer.
Die Carmol-Fabrik, das Rathaus, die Villa "Miralonda" und zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser gehen durch Brandstiftung in Flammen auf. Mehrere Hotels und Restaurants werden enteignet, darunter "Kronprinz", "Fürstenhof", "Stadt Berlin", "Zum jungen Fritz" und das Schützenhaus.
 
1946 finden Kommunalwahlen statt, aus denen die Liberaldemokraten als stärkstePartei hervorgehen.
Die Schützenstraße wird in Walter-Rathenau-Straße und die Friedrichstraße in Stresemannstraße umbenannt.
 
1948 überführt man die Steingutfabrik in Volkseigentum.
 
1949 werden zum ersten Mal die "Rheinsberger Musiktage" abgehalten.
Aus der Carmolfabrik, die nun im Betriebsteil an der Berliner Straße produziert, wird ein Volkseigener Betrieb.
Der Arzt Dr. Martin Henning erhält die Ehrenbürgerschaft und die Strelitzer Straße seinen Namen.
 
1950 entsteht in der ehemaligen Villa Pohrt ein Oberschulinternat.
Die Schloßstraße benennt man in Straße der Jugend und die Haeseckestraße in Kölpinweg um.
 
1951 zieht in die Villa des ehemaligen Besitzers der Steingutfabrik Carstens eine Kindertagesstätte ein.
 
1952 eröffnet die erste HO-Gaststätte "Friedensklause" (ehemals "Zum jungen Fritz").
Mit der Verwaltungsreform im Kreis Ruppin verliert Rheinsberg sein Amtsgericht.
 
1953 gründet sich die LPG "Fröhliches Leben" und auf dem Krähenberg nimmt der UKW-Sender seinen Betrieb auf.
Das im Schloß eingerichtete Diabetiker-Sanatorium wird eingeweiht.
 
1954 wird im Osten der Stadt der Sportplatz eingeweiht und in der ehemaligen Villa Poscich das Landambulatorium.
 
1956 pflastert man die Rhinstraße mit Vierkantsteinen.
Der Bau der Anschlußbahn zum geplanten KKW beginnt, und
 
1957 erfolgt der erste Spatenstich für das Kernkraftwerk. Wohnungen für die Werksbeschäftigten entstehen ab
 
1958 in der KKW-Siedlung, in deren Nähe auch ein Kulturhaus gebaut wird.
In der Stadt beginnt der Bau von Kanalisation und Kläranlage.
 
1960 wird im Seepavillon (bis 1945 zum Hotel "Fürstenhof") eine Gaststätte eröffnet.
 
1961 zieht die Feuerwehr in die Schloßgaragen um (vorher am Kirchplatz).
Gebaut werden u.a. die Sparkasse in der Berliner Straße, die Gewächshäuser an der Berliner Chaussee, die Landungsbrücke der "Weißen Flotte", neue Baracken in der Paulshorster Straße, das Bootshaus in der Reuterpromenade, sowie die ersten Teile des Dieselkraftwerks.
 
1962 ist der Neubau an der Schule fertiggestellt, die Arbeiten am Wasserwerk beginnen und das Sägewerk Meißner stellt seinen Betrieb ein. Rheinsberg wird an das Busnetz des Kreises angeschlossen, und
 
1963 wird eine Buslinie nach Oranienburg geschaffen.
Die Bibliothek zieht ins Kulturhaus ein.
 
1964 funktioniert man die Pension Scharnbeck zum Betriebsferienheim um.
 
1965 erneuert der Kunstmaler Hirschel die Meilensäule am Triangelplatz.
Das Wasserwerk kann in Betrieb genommen werden.
 
1966 beginnt das Kernkraftwerk mit der Stromerzeugung.
 
1967 wird der Musikpavillon auf dem Marktplatz abgerissen. In der Schillerstraße entsteht das Gebäude der Kommunalen Wohnungsverwaltung.
 
1968 muß der "Ratskeller" wegen Baufälligkeit gesperrt werden.
Die Stadt erhält den Titel "Staatlich anerkannter Erholungsort".
Der Rhin fließt bis zur Untermühle in einem begradigten Bett, und das Gaswerk stellt die Gasproduktion ein.
 
1969 nehmen die Elektrophysikalischen Werke ihren Betrieb auf.
Rheinsberg erhält eine Kaufhalle und die Menzer Straße eine Bitumenschicht.
Der strenge Winter bringt eine Schneedecke von mehr als zwei Metern hervor.
 
1970 entsteht das Umspannwerk am Dieselkraftwerk, die Walter-Rathenau-Straße wird befestigt und die Carmolfabrik geht an den Betrieb GERMED.
 
1971 öffnet das Café Seebad seine Pforten.
 
1972 vernichtet ein Brand den größten Teil der Steingutfabrik.
Die beiden holzverarbeitenden Betriebe Rheinsbergs werden an den Staat verkauft.
 
1975 erhält der Marktplatz einen Gedenkstein und wird in "Platz der Befreiung" umbenannt. Die beiden Schulen erhalten ihre Namen "Heinrich Rau" und "Dr. Salvador Allende".
 
1976 kann der "Klub der Gewerkschaft" eröffnen, ebenso das "Waldcafé".
Aus dem VEB Carmol wird ein Betriebsteil des VEB Berlin Chemie.
 
1977 brennt die Post am Sylvesterabend durch einen Feuerwerkskörper aus.
 
1978 vereinen sich die holzverarbeitenden Betriebe zum VEB Holzleichtbau.
 
1980 erhält die Stresemannstraße den Namen des Dichters Kurt Tucholsky und der Klub der Gewerkschaft eine gleichnamige Gedenkstätte.
 
1981 wird eine neue Turnhalle ihrer Bestimmung übergeben.
Die Lindenallee befestigt man mit Betonplatten, und der UKW-Sender wird abgeschaltet.
 
1982 eröffnen die Grillstube Weidauer und das Eiscafé Kolbow.
 
1983 werden die neue "Dr.-S.-Allende"-Schule sowie das FDGB-Heim "Ernst Thälmann" am Rheinsberger See eingeweiht.
Der VEB Holzleichtbau wird Betriebsteil des Fertighausbau Neuruppin.
 
1984 erfolgt die Grundsteinlegung für den neuen "Ratskeller"-Komplex.
 
1985 begeht Rheinsberg feierlich das 650. Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt.
 
1986 lädt das Café Untermühle die ersten Gäste ein. Das Diätsanatorium Hohenelse wird Diabetikersanatorium.
 
1987 eröffnen das Restaurant "Ratskeller", die Waldgaststätte Hohenelse und das Lindencafé an der Reuterpromenade.
Die Stadt erhält mehrere Litfaßsäulen und die Straße an der Westseite vom Platz der Befreiung wird gepflastert.
 
1988 geht das Heizhaus am Stadion in Betrieb. Der Fontaneplatz wird umgestaltet.
 
1989 finden Kommunalwahlen statt. Unabhängige Beobachter weisen später eine Wahlfälschung nach. Im November finden die ersten Demonstrationen gegen die DDR-Regierung statt.


Zeittafel Rheinsberg ab 1990 

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16831 Rheinsberg

1990 geht das Kernkraftwerk vom Netz.
Es finden erneut Kommunalwahlen statt. Die meisten Stimmen erhalten die SPD (27 %), die CDU (23 %) und das Neue Forum (17 %). Das Stadtparlament wird von 25 Abgeordneten gebildet.
 
1991 werden die Musikakademie, der Wirtschaftsförderungsverein WiR und die Arbeitsbeschaffungs-, Beschäftigungs- und Strukturförderungsgesellschaft RABS gegründet.
April 1991 Eröffnung des Schloßmuseums und der Kurt Tucholsky Gedenkstätte.
Auf der Schloßinsel führt man die erste Kammeroper auf.
Rheinsberg und Ascheberg besiegeln ihre Städtepartnerschaft.
Mehrere Straßen und Plätze werden rück- oder umbenannt.
 
1992 erhält die Berliner Straße eine Bitumendecke. Am Kiefernweg entsteht eine digitale Vermittlungsstelle der Telekom, und es beginnen die Arbeiten an einem modernen Telefonnetz und an einem Fernwärmenetz der Stadtwerke.
Nach 47 Jahren gründet sich die Schützengilde neu. Die Kirche veranstaltet zum ersten Mal seit 1939 das traditionelle Möskefest.
 
1993 erhält Rheinsberg Anschluß an das Erdgasnetz, ein Handelszentrum an der Rhinstraße und einen Sonderpoststempel.
Die Kurt Tucholsky Gedenkstätte zeigt die erste eigene Dauerausstellung zu Kurt Tucholsky.
Die Deutsche Alleenstraße wird von Rügen bis vorerst Wittenberg eröffnet.
Aus den Kommunalwahlen geht die SPD mit 42 % als Sieger hervor, gefolgt von CDU (18 %) und PDS (17 %). Die Zahl der Parlamentssitze verringert man auf 18.
 
1994 werden die Städtepartnerschaften mit Fangasso (Mali) und Mariefred (Schweden) geschlossen.
Die gesamte ehemalige KKW-Siedlung wird modernisiert und das "Deutsche Haus" zum Hotel umgebaut. Es entsteht die Rhinpassage, und das Blockheizkraftwerk geht in Betrieb.
Auf dem Kirchplatz steht nach fast 5 Jahrzehnten wieder das Kriegerdenkmal.
 
1995 legt eine 1705 Meter tiefe Thermalbohrung den Grundstock für ein künftiges Kurgebiet.
Huber Heights (USA) und Toftlund (Dänemark) reihen sich in die Partnerstädte Rheinsbergs ein.
Das Denkmal des jungen Friedrich kehrt wieder an seinen alten Platz vor dem Schloßparkeingang zurück.
Mit der Rheinsberger Keramik-Manufaktur nimmt die zweite Steingutfabrik ihre Produktion auf und im Herbst findet der erste Töpfermarkt statt.
Zum ersten Mal wird die Stelle eines Stadtschreibers besetzt.
 
1996 präsentiert sich der Kirchplatz nach einer größeren Umgestaltung in einer neuen, aber umstrittenen Form.
Die Förderschule zieht aus der Baracke in einen Neubau um, und im Friedrichzentrum eröffnen die ersten Gewerberäume.
Mit dem Multimedia-Café wird der Grundstock für den Anschluß Rheinsbergs ans Internet gelegt.
Die Stadtwerke beginnen mit der Förderung von Wasser aus der Thermalsole, die auf den Namen "Prinzenquelle" getauft wird.

1997 Der Heimat- und Verkehrsverein "Rheinsberger Seenkette" teilt sich in zwei Vereine. Die Stadtbibliothek findet in der Schloßstraße ein neues Heim. In der Seestraße kann das Hotel "Der Seehof" eröffnen. Der umfangreiche Neubau der Reha-Klinik Hohenelse geht in Betrieb. Die Schlossinsel ist neu gestaltet. Zum ersten Mal veranstalten Kulturschaffende die "Lange Nacht der Künste".

1998 erhält Rheinsberg abermals den Titel "Staatlich anerkannter Erholungsort". Bei Paulshorst veranstalten 4000 Pfadfinder aus dem In- und Ausland ihr Bundestreffen.

1999 entsteht mit dem wiedererbauten Schlosstheater ein neuer Kulturtempel. Zechlinerhütte und Menz sind nun auch per Radweg erreichbar. Die "Deutsche Tonstraße" verbindet alte Keramikstandorte. Die Deutsche Post AG schließt ihre Filiale in der Schloßstraße. Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Eisenbahnlinie findet das erste Bahnhofsfest statt. Anwohner der Karl-Marx-Str. erreichen die Rückbenennung in Königstraße.

2000 Auf seiner Reise durch die neuen Bundesländer macht Bundeskanzler Schröder auch in Rheinsberg halt. Die Meilensäule am Triangelplatz wird rekonstruiert.

2001 Der Naturpark "Stechlin-Ruppiner Land" stellt große Flächen unter Schutz. Aus der Musikakademie wird eine Einrichtung des Bundes. Im Betriebsteil der Berlin Chemie AG geht die Produktion zu Ende. Deutschlands erstes barrierefreies Hotel "Haus Rheinsberg" öffnet seine Pforten.

2002 Prinz-Heinrich-Jahr: seine Parade-Schlafkammer im Schloss ist rekonstruiert, ebenso die Grabpyramide, die August-Wilhelm-Büste und der Obelisk im Park, und auch der Leuchtturm erstrahlt in neuem Glanz. Eine große Ausstellung mit Exponaten aus aller Welt erinnert an das Leben des Prinzen. Am Rheinsberger See wird das ehemalige FDGB-Heim gesprengt, um Platz für das neue Hafendorf zu machen.

2003 Zwei neue Ehrenbürger werden ernannt: Hans-Joachim Giersberg, ehem. Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sowie posthum der Kommunalpolitiker Christian Carstens. Die Restaurierung des Marstalls ist abgeschlossen. Die Feuerwehr bezieht ihre neue Wache. Rheinsberg und seine umliegenden Dörfer schließen sich zur Großgemeinde zusammen.

2004 Aus der Kurt-Tucholsky-Gedenkstätte wird ein Literaturmuseum. Im Schlosspark wird die historische Gartenmauer rekonstruiert.

2005 Ein fremdenfeindlicher Brandanschlag führt zu Kundgebungen und Solidaritätsaktionen der Bevölkerung. Die Deutsche Bahn tauft einen ICE auf den Namen "Rheinsberg".


Zeittafel Schloss Rheinsberg 

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16831 Rheinsberg

12.Jh. Die Rhinburg wird als Grenzbefestigung gegen Mecklenburg errichtet.

1566 Die Burg fällt einem Brand zum Opfer, und unter Achim von Bredow wird ein neues Schloß erbaut. Außerdem entstehen auf der Schloßinsel noch ein Brauhaus und ein Torhaus mit Zugbrücke.

1685 Der Hugenotte de Beville kommt in den Besitz von Rheinsberg.

1734 Der preußische König Friedrich Wilhelm I. kauft Rheinsberg für seinen Sohn und Kronprinzen Friedrich. Unter Baudirektor Johann G. Kemmeter beginnt der Umbau des Schlosses, das bis dahin nur einen Turm aufweist. An der Ostseite fügt er auf dem Fundament des Torhauses einen Flügel an.

1736 Der Südflügel (Klingenbergflügel) ist soweit fertiggestellt, daß Kronprinz Friedrich und seine Gemahlin Elisabeth Christine einziehen können.

1737 Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff kehrt von einer Italienreise zurück und übernimmt den weiteren Ausbau. Das Brauhaus läßt er abtragen und durch den Nordflügel ersetzen. An diesen stellt er einen zweiten Rundturm und schließt die Seeseite mit einer Kolonnade aus 32 Säulen. Im Erdgeschoß entsteht u. a. der Billardsaal.

1738 Östlich der Insel wird der Marstall mit zweigeschossigen Kopfbauten errichtet.

1739 Die Außenarbeiten sind beendet. Über dem Hauptportal werden vier Statuen von Glume aufgestellt.: Allegorien der Rhetorik, Musik, Malerei und Bildhauerkunst.

1740 Nach dem Tod seines Vaters siedelt Friedrich nach Potsdam über, um die Thronfolge anzutreten. Der Maler Antoine Pesne vollendet seine Deckengemälde im Spiegelsaal, Bacchuskabinett und Rittersaal.

1744 König Friedrich II. schenkt Rheinsberg seinem Bruder Heinrich, der aber erst dort wohnen darf, wenn er verheiratet ist.

1746 Nördlich des Schlosses wird das Kavalierhaus für die Hofkavaliere, Musiker und Diener fertiggestellt (Baubeginn 1738).

1753 Prinz Heinrich, inzwischen verheiratet mit Wilhelmine von Hessen-Kassel, hält Einzug in Rheinsberg.

1761 Hinter dem Kavalierhaus baut Reisewitz das Domestikenhaus.

1763 Die kronprinzliche Wohnung im Südflügel wird für Heinrich neugestaltet. Im Ostflügel des Kavalierhauses bringt man ein kleines Theater unter (besteht bis 1774).

1764 Nach einem größeren Umbau des Marstalls hält im nördlichen Kopfbau eine öffentliche Bibliothek Einzug.

1765 Der Bildhauer Antonio Cybei stellt für das Rasenparterre fünf Plastiken her: Apollo und Allegorien der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft.

1766-69 Nach einem Entwurf von Carl Gotthard Langhans entsteht im Obergeschoß der Muschelsaal.

1768 Hinter dem Marstall legt man eine Reitbahn an.

1770 Fechhelm malt auf den Rest der Stadtmauer eine Kolonnadenruine mit einer Landschaft im Hintergrund.

1774 Das Kavalierhaus erhält als Westflügel ein Theater mit zwei Logenreihen (Baubeginn 1771 durch Hennert).

1786 Das Schloß wird an der Stadtseite um zwei Eckbauten erweitert, in denen Heinrichs Bibliothek und Gästewohnungen Platz finden.

1802 Heinrich stirbt, und sein jüngster Bruder Ferdinand bekommt das Schloß. Er verkauft

1803 die Bibliothek an die Königliche Bibliothek Berlin und läßt Stücke aus Heinrichs Kunstsammlung versteigern.

1805 Die Balustraden auf den Türmen werden abgebrochen und durch Kegeldächer ersetzt.

1813 Nach Ferdinands Tod erbt sein Sohn August das Domizil; es wird jedoch hauptsächlich von seiner Gattin bewohnt.

1825 fertigt der Architekt Karl Friedrich Schinkel ein Gutachten über den Bauzustand an.

1826 muß der nördliche Eckpavillon wegen Baufälligkeit abgetragen und wieder völlig neu aufgebaut werden.

1843 Als August stirbt, geht es in die Verwaltung der königlichen Hofkammer über.

1903 findet das Bronzedenkmal des jungen Friedrich vor dem Schloßparkeingang seinen Platz.

1922-23 August Wilhelm (Sohn von Wilhelm II.) bewohnt das Schloß und nach ihm verwaltet es ein Kastellan.

1942 trifft der erste Auslagerungstransport mit Kunstschätzen aus Potsdam-Sanssouci in Rheinsberg ein. Weitere Gemälde und Möbelstücke kommen

1944 aus dem Schloß Königsberg. Die Gegenstände werden bis zum Frühjahr

1945 öffentlich ausgestellt. Den größten Teil davon entwendet später die Rote Armee.

1945 Eine Fliegerbombe und ein Brand zerstören das Theater.

1945-46 Das Schloß dient zeitweise als Offizierswohnung, als Kinder-, dann als Lehrlingswohnheim.

1949 gibt es Überlegungen für eine museale Nutzung. Schließlich wird es jedoch

1950 an die Sozialversicherungsanstalt des Landes Brandenburg übergeben, und

1953 als Diabetiker-Sanatorium eröffnet. Fast 2000 Patienten werden hier jedes Jahr behandelt. Restaurierungsarbeiten im Spiegelsaal ermöglichen die Nutzung für Konzertaufführungen.

1985 bestätigt der Ministerrat die Finanzierung der Verlagerung des Sanatoriums in den Ortsteil Hohenelse.

1991 Nach ersten Restaurationsmaßnahmen kann das Gebäude (zunächst das Obergeschoß) wieder als Museum genutzt werden. Im Nordflügel wird die Kurt-Tucholsky-Gedenkstätte mit einer Sonderausstellung eingerichtet.

1995 Im Obergeschoß ist die frühere Wohnung des Kronprinzen wieder zu besichtigen.


Zeitung 

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16831 Rheinsberg

Rheinsberger Zeitung

Im vorigen Jahrhundert machte die Entwicklung des Zeitungswesens auch vor den kleineren Städten unserer Region nicht halt. Während bereits 1822 der "Ruppinsche Anzeiger" in Neuruppin erschien, dauerte es in Rheinsberg noch bis 1884, als das erste Lokalblatt das Licht einer Druckerei erblickte. Der Herausgeber war der Buchdrucker (und nach einer anderen Quelle auch Uhrmacher) Heick. Die "Rheinsberger Zeitung - Organ für Rheinsberg, Zechlin u. Umgebung" erschien mittwochs und sonnabends und umfaßte vier Seiten. Der Sonnabendausgabe war das "Illustrierte Sonntags-Blatt" beigelegt. Anzeigen wurden auch in Flecken Zechlin und Dorf Zechlin angenommen. Im Juli des Folgejahres gab es bereits einen Besitzerwechsel. Martin Schulz führte den Betrieb einige Jahre, mußte dann aber wegen wirtschaftlicher Probleme aufgeben.
1891 gab es offenbar einen neuen Versuch, eine Zeitung zu gründen. Man berichtet von einem Herrn Rübesam aus Berlin, der im Seitenflügel des Hotels "Deutsches Haus" eine kleine Druckerei einrichtete. Doch auch dieses Unternehmen war nicht von Erfolg gekrönt.

Nur der aus der Nähe von Prenzlau stammende Carl Thurmann schaffte es, einen funktionierenden Verlag aufzubauen, der bis zum Zweiten Weltkrieg bestand. Im Alter von 25 Jahren begann er 1894 in der Königstraße (heute Karl-Marx-Straße) mit der Produktion der "Rheinsberger Zeitung". Noch heute lassen sich am Eckgebäude Nr. 5 die Reste der alten Werbeschrift erahnen. Dort befand sich die Druckerei, bis Thurmann am Markt ein prestigeförderndes Grundstück neben dem Hotel Ratskeller kaufte.

Die Gazette erschien dreimal wöchentlich: dienstags, donnerstags und sonnabends. Artikel mit überregionalen Schwerpunkten füllten die ersten der vier Seiten. Aus Berlin wurden dafür die bereits fertigen Druckplatten geliefert. Auf den letzten Seiten folgten Nachrichten aus dem Kreis und aus dem Raum Rheinsberg ("Lokales, Provinzielles u. Vermischtes"). Hier hatten die Gewerbetreibenden die Möglichkeit, ihre Verbraucherhinweise zu plazieren, aber ebenso inserierten Wohnungssuchende, Arbeitswillige und -bietende oder ehrliche Finder.
Die "Rheinsberger Zeitung" vertrat eine eher konservative Richtung. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß in den 20er Jahren das alte monarchistische Stadtwappen, der Adler mit Krone, Zepter, Reichsapfel und den Buchstaben "FW" (Friedrich Wilhelm I.), im Zeitungskopf erschien. An dieser Gestaltung hielt man auch trotzig fest, nachdem Rheinsberg das Wappen 1929 offiziell abgeschafft hatte.

Im Geschäftshaus am Markt befand sich vorn der Laden , in dem auch Berliner Zeitungen erhältlich waren. Außerdem stellte der Verlag Carl Thurmann verschiedene Bücher und Broschüren, Ansichtskarten, Briefbögen, Visitenkarten und vieles andere her. Auf der Hofseite war die Druckerei untergebracht. Am Eingang in der Kirchstraße konnte man abends die Ausgabe für den nächsten Tag erwerben. Ausgetragen wurden die Blätter ebenfalls am Abend, oft von Arbeitern der Steingutfabrik.

1936 starb Carl Thurmann. Seine Frau Emma leitete die Firma, doch auch sie verschied ein Jahr später. Otto Richter übernahm den Betrieb und nun verließen die Zeitungen sechsmal pro Woche die Druckwalzen. 1942 erreichte Richter der Ruf der Wehrmacht, und er wurde nach Lemberg eingezogen. Am 30. Juni erschien die letzte Ausgabe. Das Konkurrenzprodukt aus Neuruppin, die "Märkische Zeitung", blieb bis 1945 bestehen und wurde in Rheinsberg von der Buchhandlung in der Schloßstraße verkauft. Kurz nach dem Einmarsch der Roten Armee gingen einige Häuser der Stadt durch mysteriöse Brandstiftungen in Flammen auf. Unter ihnen war auch die ehemalige Druckerei am Markt.

Holger Pfeifer


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